MichaelRothenpieler Es ist leider nicht so einfach, sondern etwas komplizierter 😀
Eine zivile Version bedeutet im Prinzip das identische Modell aber nicht für die Schweizer Armee produziert, sondern für den Detailhandel. Diejenigen für die Schweizer Armee wurden mit einem Waffenkontrollstempel gekennzeichnet. Das ist die einfachste Möglichkeit der Unterscheidung, wobei bei alten Soldatenmessern der Waffenkontrollstempel oft nicht oder kaum mehr sichtbar ist infolge Abnutzung. 1901 lief der Modellschutz aus. Anschliessend durften alle das Soldatenmesser Modell 1890 kopieren und auf den Markt bringen, was auch getan wurde. Also auch Elsener durfte neben der Lieferung an die Schweizer Armee auch den Detailhandel beliefern. Man rechnete in etwas mit der gleichen Absatzmenge an zivilen Soldatenmessern pro Jahr wie die Lieferung an die Schweizer Armee. 1916 wurde einem Antrag stattgegeben, dass auch die zivilen Versionen mit einem Waffenkontrollstempel versehen werden durften, später dann auch die Versionen aus rostträgem Stahl.
Bekannt ist, dass Karl Elsener infolge des Auftrages an die Schweizer Armee fast in den Konkurs geraten wäre und Geld aufnehmen musste.
Rund um das Offiziersmesser ranken sich auch verschiedene Mythen und Sagen. In der Vergangenheit wurde diesbezüglich (leider) auch oft falsch kommuniziert. Eigentlich war es gleich wie beim Soldatenmesser Modell 1890. Es war kein Patent, also keine technische Erneuerung, sondern ein Modellschutz - heute vergleichbar mit einem Designschutz. Es ging rein um die Optik. Es ist falsch, dass Karl Elsener der erste war, der 6 Werkzeuge auf 2 Rückenfedern montiert bekam, und es ist auch falsch, dass er der erste war, der multifunktionale Schweizer Taschenmesser hergestellt hat. Karl Elsener hatte damals ganz viele Produkte hergestellt, beispielsweise Rasiermesser, Hämmer, Malerspachtel, Besteck, etc. Was genau die Überlegung von ihm war, dieses Offiziersmesser zu bauen, weiss ich nicht. Aber ja, ich denke schon, dass er etwas für die zivile Bevölkerung produzieren wollte, etwas, dass leichter und mit mehr Werkzeugen ausgestattet ist, als das doch recht klobige Soldatenmesser. Es gab damals aber auch andere Produzenten auch in der Schweiz von praktisch identischen Taschenmessern. Weshalb gerade Karl Elsener so erfolgreich wurde, liegt sicherlich daran, dass sehr rasch von einer Messermanufaktur auf eine Messerfabrik umstellte, also auf eine industrielle Produktion. Dann waren sicherlich Qualität, Serviceleistungen und Marketing entscheidend. Und ich denke er war sehr beharrlich - und gottesfürchtig.