Nachdem aus der Community der Wunsch aufkam, mehr über den Bereich Konstruktion zu erfahren, freuen wir uns sehr, euch heute die Antworten von Florian Meier präsentieren zu dürfen.
Florian ist Maschinenbautechniker HF in der Fachgruppe Maschinenbau der Abteilung Entwicklung & Konstruktion. Seit seiner Lehre als Polymechaniker im Jahr 2011 ist er Teil von Victorinox. Heute entwickelt er mit seinem Team Maschinen und Vorrichtungen für die Fertigung unserer Messer – ein vielseitiges Feld, das tiefen Einblick in viele Produktionsschritte ermöglicht.
Hier sind 5 Fragen aus der Community und Florians Antworten:
Das Thema Umweltschutz spielt ja auch in der Konstruktion eine immer grössere Rolle, das merken auch wir. Wie stark fliesst dieser Aspekt auch in eure Überlegungen bei der Konstruktion mit ein?
Grundsätzlich bauen wir Maschinen mit energieeffizienten Aktoren und Komponenten, um Energie und Ressourcen zu sparen. Zudem gibt es bei uns im Unternehmen einen Wärmekreislauf, der durch die Abwärme aus den Produktionsprozessen gespeist wird. Damit heizen wir nicht nur unser Firmengebäude, sondern auch umliegende Liegenschaften. Unser Schleifwasser wird ebenfalls speziell aufbereitet, sodass wir die Stahlpartikel herausfiltern und wiederverwerten können.
Was war bisher das spannendste Projekt in deiner Laufbahn bei Victorinox – und warum ist es dir besonders in Erinnerung geblieben?
Ich durfte beim Büchsenöffner des Replica 1897 die ersten Prototypen fräsen und die dafür benötigte Lehre konstruieren. Vom Umfang her war das zwar kein grosses Projekt, aber es fiel genau in meine Übergangszeit von der Werkstatt in die Konstruktion. Ich konnte zum ersten Mal mein neues Wissen als Konstrukteur in der Praxis anwenden. Ausserdem finde ich das Replica 1897 ein tolles Messer, das ein bedeutendes Stück Victorinox-Geschichte repräsentiert.
Wie wird bei der Entwicklung eines neuen SAK-Werkzeugs ein funktionsfähiger Prototyp hergestellt – also nicht nur am Computer entworfen, sondern auch physisch gefertigt, etwa aus wärmebehandeltem Stahl? Welche Hilfsmittel und Verfahren kommen dabei typischerweise zum Einsatz?
Die ersten Stahlteile eines Prototyps fertigen wir meist mit herkömmlichen Werkzeugmaschinen. Diese können auch wärmebehandelt und anschliessend wie Serienteile bearbeitet werden. Für Gehäuseteile, Griffe oder Schalen ist der 3D-Druck sehr hilfreich – er erlaubt schnelle Variantenbildung. Trotzdem sind klassische Hilfsmittel wie Diamantfeilen und Schleifpapier im Prototypenbau weiterhin unverzichtbar.
Gab es seit deinem Einstieg bei Victorinox einen frühen Produktionsprozess, der dich besonders überrascht oder beeindruckt hat?
Was mich von Anfang an beeindruckt hat, sind die verschiedenen Schleifprozesse. Viele dieser Maschinen sind Eigenkonstruktionen und wurden über Jahrzehnte hinweg laufend optimiert. Das zeigt für mich den grossen Innovationsgeist und das umfangreiche Know-how im Technikbereich von Victorinox.
Mit welchem CAD-Programm arbeitet ihr im Hause Victorinox?
Wir arbeiten mit dem CAD-Programm NX und dem Datenverwaltungssystem Teamcenter von Siemens. Diese Kombination bietet uns eine durchgängige Lösung für alle Entwicklungsbereiche und Produktkategorien – sei es im Maschinenbau, Werkzeugbau oder bei CAM-Bearbeitungen.

Vielen Dank an Florian – und bleibt dran
Ein grosses Dankeschön an Florian für die spannenden Einblicke und natürlich an euch für die interessanten Fragen.
Hat euch etwas davon überrascht? Und habt ihr schon Ideen, wen wir als Nächstes befragen sollen?
Dann schreibt es gerne in die Diskussion – wir freuen uns auf eure Vorschläge.