Vor Kurzem habt ihr die Gelegenheit genutzt, unserem Kollegen Stefan Müller, Stv. Abteilungsleiter Taschenmesser Kontrolle, eure Fragen zu stellen. Vielen Dank für das grosse Interesse und die spannenden Beiträge.
Stefan hat nun 5 ausgewählte Fragen beantwortet – und gewährt damit einen besonderen Einblick in seine tägliche Arbeit rund um die Reparatur von Taschenmessern, darunter auch echte Raritäten.
Was sind die häufigsten Reparaturen?
Die häufigsten Reparaturen betreffen sogenannte Standardmesser aus dem aktuellen Katalog und der heutigen Produktion.
Welche Reparatur macht dir am meisten Spass? Und sag jetzt nicht alle 😉
Am meisten Freude bereiten mir alte Messer – das heisst etwa Soldatenmesser mit Fiber, Perlmutt, Horn oder Hirschhorn. Diese Reparaturen sind besonders spannend, weil man sehr vorsichtig arbeiten muss, damit nichts beschädigt wird. Gleichzeitig gibt es oft nur noch sehr wenige Ersatzteile für solche Stücke, was die Herausforderung zusätzlich erhöht.
Weshalb werden bei Reparaturen an alten Soldatenmessern diese mit dem Kreuz/WK-Stempel geprägt und nicht mit einem Reparaturstempel?
Wir versuchen, die Messer so originalgetreu wie möglich an den Kunden zurückzugeben. Wenn der Kunde zum Beispiel möchte, dass wir die Fiberschalen ersetzen, versehen wir diese mit dem identischen Stempel, den das Messer zuvor hatte – sofern das technisch möglich ist.
Verwendest du bei Reparaturen oft nicht originale, nicht aus der korrekten Zeit stammende Teile?
Wir greifen grundsätzlich auf die Teile zurück, die wir noch an Lager haben und die zeitlich zum jeweiligen Messer passen. In manchen Fällen gab es während der Produktionsjahre einen Wechsel bei bestimmten Komponenten – dann gibt es mehrere Varianten eines Teils. Unser Ziel ist immer, das Messer so original wie möglich zu erhalten. Kleine Abweichungen können jedoch vereinzelt vorkommen.
Was war der skurrilste Wunsch eines Kunden?
Ein Kunde besass ein Soldatenmesser aus der Zeit von 1884 bis 1901 mit Ebenholzschalen, die sich in bemerkenswert gutem Zustand befanden. Er fragte an, ob wir diese durch Schalen aus Perlmutt oder Elfenbein ersetzen könnten. Das fand ich sehr skurril – nicht nur, weil Elfenbein und Perlmutt seit einigen Jahren verboten sind, sondern auch, weil Soldatenmesser grundsätzlich im Originalzustand bleiben sollten.
Bleibt dran – bis zum nächsten Mal
Wir bedanken uns herzlich bei Stefan für seine spannenden Einblicke und natürlich bei euch für eure Fragen.
Schon bald stellen wir euch die nächste Person aus dem Victorinox-Team vor – mit neuen Geschichten, neuen Perspektiven und natürlich: neuen Antworten auf eure Fragen.
Wen würdet ihr gerne als Nächstes kennenlernen
Habt ihr schon eine Idee, aus welchem Bereich die nächste Person kommen soll?
Schreibt es uns in die Kommentare – wir sind gespannt auf eure Vorschläge.